Die Teilnehmer erfuhren, dass durch Betrug dem Staat jährlich etwa 100 Milliarden Euro Steuern entgehen. Ein Großteil davon entfällt auf hochorganisierte und systematische Aktionen insbesondere von Banken. Einzelne Fälle erreichen schnell ein Volumen von mehreren hundert Millionen Euro. Und nach den Ausführungen von Frau Brorhilker passiert Cum-Ex und Cum-Cum auch heute noch, obwohl klargestellt ist, dass es sich nicht „Gesetzeslücken“, sondern um Straftatbestände handelt. Nach ihren Ausführungen legen Erkenntnisse nah, dass sich die Täter bewusst Deutschland aussuchen, weil das Entdeckungsrisiko hier gering ist. An etlichen Beispielen erläuterte Frau Brorhilker, dass der Staat der wirtschaftlichen und juristischen Macht der Täter kein wirkliches Ermittlungs- und Verfolgungspotential entgegenzusetzen hat und forderte tiefgreifende Veränderungen ein: Mehr und geschulteres Personal, zentrale Strukturen auf Bundesebene, Vereinheitlichung von IT- Infrastruktur, verbesserte Informationsaustauschkultur und vieles mehr.
Der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Landtages NRW, Dr. Werner Pfeil (FDP) ergänzte in einem Kurzreferat die Ausführungen mit einem Blick auf die Schwierigkeiten, politische Konsequenzen zu ziehen. Sein Statement dazu: „2000 Polizisten zusätzlich einzustellen ist Wahrnehmungswirksam, aber wenn es keine zusätzlichen Staatsanwälte gibt, Ermittlungsergebnisse zu verfolgen, dann ist das eben zu kurz gesprungen“.
Im Publikum herrschte offensichtlich ungläubiges Staunen über die Ausmaße und Abläufe bei organisiertem Steuerbetrug in Deutschland. Brorhilkers Aufruf, dass jeder in der Zivilgesellschaft etwas dazu beitragen solle, an Änderungen mitzuwirken, z.B. durch Einfluss auf die politischen Vertreter, dürfte auf fruchtbaren Boden gefallen sein. In der Abschließenden Fragerunde aus dem Publikum gab es neben Sachfragen etliche Statements, die Frau Brorhilker nicht nur Dank und Respekt für ihr Engagement aussprachen, sondern sie ermutigten, in ihrem Wirken hier nicht nachzulassen.
Der Vorsitzende von Wir für Werne, Michael Zurhorst, zog nach der Veranstaltung ein Fazit: „Frau Brorhilker hat nicht nur ein Feuerwerk an Informationen geliefert, sondern die Zuhörer sehr nachdenklich gemacht. Nicht umsonst ist sie zu den 50 einflussreichsten Personen im Bereich Finanzen gewählt worden. Einen so hochkarätigen Abend in Werne abhalten zu können, ist wesentlich den Kontakten der heimischen FDP, hier namentlich Frau Tanja Schätz zu verdanken. Ohne sie, wäre eine Frau Brorhilker wohl kaum nach Werne gekommen. Ich habe jedenfalls von vielen Zuhörern unmittelbar nach der Veranstaltung viel Lob und Dank gehört.“